Paddlefloat Test

11.06.2016 - Kiessee Marienwerder



Schon vor einem Jahr habe ich ich mir ein Paddlefloat von Prijon zugelegt, aber dieses bisher nur zur Nervenberuhigung und als Sicherheits-Talisman mitgeführt, was sicher keine gute Idee ist. Zusammen mit der neuen Kajakweste (Hiko Aquatic), die ich mir vor einigen Tagen als luxuriösen Ersatz für die einfache Jollenweste zugelegt habe, sollte jetzt eine Übung für den Ernstfall stattfinden. Also flugs das alte Bavaria Kajak auf den Kajakwagen und 500 Meter zum kleinen Baggersee gerollt.

Leider bin ich nicht ganz allein – trotz Wetterverschlechterung gibt es einige Zuschauer für meine folgenden komödiantischen Versuche. Ich ziehe den kurzärmligen Neo über die Badehose und darüber die kurzgeschnittene grüne Weste, die mir  das heroische Aussehen eines Marvel-Michelinmännchens gibt, steige ins Kajak und fahre ein paar Meter in den See, bis die Stehtiefe verlassen ist. Glücklicherweise bin ich bislang nie gekentert – es kostet etwas Überwindung, mich nun beherzt nach rechts ins Wasser zu kippen. Das Boot nimmt tüchtig Wasser, ich pruste und natürlich schwimmt sofort die Festmacherleine wie eine Wasserschlange aus dem Boot und muss erstmal klariert werden. Die neue Kajakweste rutscht sogleich hoch, nimmt mir die Luft und behindert mich beim Schwimmen. Aber gut – ungeachtet dieser kleinen Fährnisse schwimme ich zum Kajak, ergreife das Paddlefloat auf dem Vordeck, stülpe es über ein Paddelblatt und puste es auf, was mit wenigen Atemzügen getan ist.

Das Prijon Paddlefloat ist wie ein kleiner Packsack konstruiert, d.h. es muss an der offenen Seite gut eingerollt und mit den Schnappverschlüssen verschlossen sein, damit es die Luft hält, aber das ist kein Problem. Ich schwimme zum Bug des kopfüber liegenden Kajaks und probiere, durch Anheben das Wasser aus der Einstiegsluke abfliessen zu lassen. Das funktioniert erstaunlich gut, sogar ohne Zuhilfenahme des Paddlefloats als Auftriebskörper zum Abstützen. Wichtig ist, den Bug ganz langsam aus dem Wasser zu heben.

Nach 2 Ansätzen ist das Kajak so gut wie leer und ich rotiere es in die Normallage. Das Paddel klemme ich nun hinter den Süllrand mit ausreichend Auslagelänge für das Float. Ich tauche nach achtern unter der schwimmenden Paddelbrücke durch und robbe mich beherzt und sicher äusserst elegant auf das Deck. In Bauchlage bugsiere ich das vordere Bein in die Sitzluke, stütze mich dann mit dem hinteren angewinkelten Bein auf der Paddelbrücke ab und ziehe dies nach in die Luke, um dann den Körper in Sitzposition zu rotieren. Dabei verlagere ich das Gewicht allerdings zu sehr auf die dem Float gegenüberliegende Seite und kentere flugs auf die andere Seite. Als mir das bei der Wiederholung nochmal passiert, bin ich schon etwas ausser Atem und schwimme erst mal ans Ufer, um zu verschnaufen.

Es ist erschreckend, wie schnell die Kräfte schwinden. Im Ernstfall wird es also wichtig sein, möglichst keine Fehler zu machen. Zum Glück habe ich jetzt den Trick raus – der Gewichts-Schwerpunkt muss einfach immer etwas in Richtung der Paddelstütze zeigen. Das Prijon Float hat ein gutes Volumen, das auch meine über 90 Kilo abstützen kann. 3 weitere Versuche verlaufen nun erfolgreich. Leider dreht sich beim Hochrobben der kleine Gepäcklukendeckel hinter der Sitzluke heraus und verschwindet unbemerkt im schon leicht angetrübten Wasser. Auch mit Hilfe einer Taucherbrille lässt er sich leider nicht mehr wiederfinden und ich werde bald feststellen können, dass die Fa. Bavaria einen guten Ersatzteilservice bietet. Immerhin zeigt sich, dass auch mit geflutetem Heck durch den Auftriebsbeutel noch genug Auftrieb vorhanden ist, um das Manöver durchzuführen. Am Paddel hat sich der Aufkleber für die Winkeleinstellung durch das Einklemmen am Süllrand etwas gelöst, meine Oberarme haben leichte Blessuren. Quintessenz dieser Übung:

Was schiefgehen kann, geht auch schief, was lose ist, fällt raus. Aber letztlich funktioniert der Einstieg mit dem Paddlefloat erstaunlich gut.

Bei Schönwetter-Ententeich-Bedingungen ist dies aber auch nicht verwunderlich. Aber wie sieht es bei schwerem Wetter und mit beladenem Kajak aus? Meine nächsten Pläne daher: Übung bei Schwell und Starkwind in einem Stehrevier mit Gepäck wiederholen. Reentry & Roll mit und ohne Paddlefloat und zuletzt natürlich die Eskimorolle.

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